Ratgeber

Baby-led Weaning

Baby led weaning

Eine neumodische Erscheinung oder eine Revolution in der Babyernährung?

Seit einigen Jahren breitet sich ein neuer Trend in der Ernährung von Säuglingen aus: Baby-led Weaning (BLW), was so viel bedeutet wie „vom Baby geführte Entwöhnung“ – sprich, die Entwöhnung von der Brust und der Wechsel zu fester Nahrung, der im Wesentlichen vom Baby selbst gesteuert wird. Es isst nur, was es selbst in den Mund führt, und bekommt keine ergänzende Breinahrung. Da die beim Baby-led Weaning gegessene Menge dem Baby zum Sattwerden nicht ausreicht wird es weiterhin zusätzlich gestillt bzw. wird Milch im ersten Lebensjahr zusätzlich angeboten. Mit dieser Art Ernährung sollen Babys von Anfang an das Essen buchstäblich selbst in die Hand nehmen. Doch wie sinnvoll ist dieser Trend?

Kinderhand greift nach Erdbeeren

Was ist Baby-led Weaning und kann das funktionieren?

Beim Baby-led Weaning werden dem Baby mundgerechte Lebensmittelstückchen wie gedämpftes Gemüse, Käsewürfel und kleingeschnittenes Brot ohne Rinde angeboten. Aus dieser Auswahl kann das Baby dann selbst entscheiden, was es essen möchte. Das Füttern von Breien entfällt dabei vollständig. Das Kind soll von Anfang an am Familientisch mitessen können und spielerisch an feste Nahrung herangeführt werden. Es wird animiert, nach den Lebensmitteln zu greifen und entscheidet selbst, wie viel und was es zu sich nimmt. Nach Angaben der Verfechter dieser Methode muss dabei nur beachtet werden, dass sich auch der Rest der Familie ausgewogen und nährstoffreich ernährt, um dem Baby die wichtigsten Lebensmittel anbieten zu können. Doch hier ist schon der erste Haken: Schaut man sich die Essgewohnheiten der meisten Eltern an, sind diese ganz und gar nicht für ein Baby geeignet.

Warum Baby-led Weaning kritisch zu betrachten ist

Bei dieser Methode wissen Eltern meist nicht genau, wie viel ihr Baby am Ende einer Mahlzeit gegessen hat und wie viel auf dem Boden und auf der Kleidung gelandet ist. Außerdem haben die für Baby-led Weaning geeigneten Lebensmittel meist eine geringe Energiedichte. Insbesondere wertvolles Pflanzenöl, das bei einer Breiernährung im Gläschen enthalten ist bzw. beim selbstgekochten Brei zugesetzt wird, fällt weitestgehend weg. Dies ist besonders ungünstig, da Säuglinge einen höheren Bedarf an Fett und essentiellen Fettsäuren haben. Vor allem die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist von großer Bedeutung für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen.

Länger als bei Babys, die mit Brei gefüttert werden, bleibt beim Baby-led Weaning die Hauptnährstoffquelle Muttermilch oder Säuglingsmilch. Da Muttermilch jedoch nach dem 6. Monat nicht mehr alle Nährstoffbedürfnisse decken kann, wird vermutet, dass die Energie- und Nährstoffaufnahme bei dieser Methode zu gering sein könnte.

Papa füttert Baby mit Brei

Wie du BLW in den Alltag integrieren kannst

Kinderärzte und Fachgesellschaften sind sich deswegen einig: Sie empfehlen weiterhin die schrittweise und altersgerechte Einführung von Breien. Das eine schließt das andere aber nicht aus. Auch wenn Dein Baby mit Brei gefüttert wird, spricht nichts dagegen, es mal ein Stück weich gekochte Karotte oder Banane probieren zu lassen.

Tipps für Kind gesteuerte Entwöhnung

  • Bitte beachten: Muttermilch oder Säuglingsmilch soll mindestens bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres die Hauptnahrungsquelle für das Baby bleiben. 
  • Etwas härtere Lebensmittel wie Brot, Kekse, Zwieback oder Getreidewaffeln werden durch Lutschen weicher und können von etwas älteren Säuglingen verzehrt werden.
  • Spezielle Produkte für Babys lösen sich besser im Mund auf und sind mit entsprechenden Altersangaben gekennzeichnet.
  • Wichtig ist, dass die Lebensmittel sich im Mund des Kindes auflösen können und dein Baby sich nicht daran verschlucken kann. Nüsse und rohe Karottenstückchen sind z.B. nicht geeignet.
  • Es sollte immer jemand dabei sein und aufpassen – so, wie es auch bei einer Breimahlzeit der Fall ist.
  • Je älter dein Baby ist, desto besser kann es verschiedene Lebensmittel mit dem Gaumen und dem Kiefer zerdrücken. Etwas härtere Lebensmittel wie Brot kann es später mit den ersten Zähnchen kauen.

Wichtig: Baby-led Weaning ist also als alleinige Methode zur Einführung der Beikost nicht geeignet.

Vom Brei zu fester Nahrung

Für die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen solltest du deinem Baby vor allem zu Beginn der Beikostphase Breie anbieten. Mit zunehmendem Alter kann es aber auch festere Lebensmittel selbst essen. Das ist nichts Neues und gehört zum natürlichen Entwicklungsprozess. Am besten, du hörst auf dein Bauchgefühl und das deines Babys und schaust selbst, welche Lebensmittel es interessant findet, gerne mag und schon essen kann. Das Wichtigste ist, dass Vielfalt und Genuss auf den Teller kommen und dein Baby Spaß und Freude am Essen hat. Denn je früher Babys gesunde und natürliche Vielfalt kennen und schmecken lernen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihr Essverhalten langfristig positiv entwickelt.

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